Unbewusste Voreingenommenheit

Letztes Jahr auf der ANGA: Mein Team und ich besuchen einige Messstände. An einem Stand werden alle meine Kollegen per Handschlag begrüßt, während ich danebenstehe und nicht begrüßt werde. Auch in dem darauffolgenden Gespräch gibt es Blickkontakt lediglich zwischen dem Firmenvertreter und meinen männlichen Kollegen.

Ich bin irritiert und auch fassungslos. Was passiert hier?

Meinen Mitarbeitern fällt die Situation auf uns so stellt einer mich kurzum als „unsere Chefin“ und Verantwortliche vor. Jetzt ist es der Standbetreuer, der irritiert schaut. Ich frage mich, ob er mich für die Assistentin gehalten hat und bin erschrocken. Als ob das einen Unterschied machen würde! – Nach einem kurzen zögern, begrüßt er schließlich auch mich.

Kleine Begegnungen dieser Art machen deutlich, wie schnell wir unbewusst voreingenommen handeln.

Unbewusste Voreingenommenheit funktioniert genau so: Nicht laut. Nicht absichtlich. Sondern automatisch.

Studien (vgl. McKinsey/LeanIn „Women in the Workplace“ (2019)) zeigen, dass Beiträge von Frauen in Gruppen häufiger unterbrochen oder weniger aufgegriffen werden. Gleichzeitig werden identische Aussagen je nach Absender unterschiedlich bewertet – etwa als „kompetent“ oder „aggressiv“. Das passiert oft, ohne dass wir es merken.

Gewaltfreie Kommunikation hilft in solchen Momenten, einen Schritt zurückzutreten:
Was habe ich tatsächlich beobachtet – und was interpretiere ich hinein?
Reagiere ich auf den Inhalt oder auf mein Bild von der Person?

Am Weltfrauentag geht es für mich nicht nur um Gleichberechtigung als Ziel, sondern um die Bereitschaft, die eigenen Filter zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen. Gleichberechtigung ist ein Thema, das für mich weit über die Frage der Frauenquote und EqualPay hinausgeht.

Frage an Sie:
In welcher Situation haben Sie zuletzt eine unbewusste Voreingenommenheit wahrgenommen?
Was hat Ihnen geholfen, dem auf die Schliche zu kommen und wie sind Sie damit umgegangen?